Camping & Reisen

“Gemeinsam entdecken wir mit der kindlichen Neugier die ganze Welt”

postcard from Ulla Lohmann

Geschrieben von Melanie Gath

“Die Leidenschaft ist mein Motor”, ein Satz, der wie ein Mantra über dem Interview steht. So habe ich es empfunden, als ich mit Ulla Lohmann sprechen durfte. Der Frau, die zusammen mit ihrem Mann als erste Menschen der Welt 600m tief im Inneren eines Vulkans stand. Sie ist also Vulkanforscherin, doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Meine Recherche hat gezeigt, dass sie so vieles schon gemacht hat. Ich gebe ihr im Laufe des Gesprächs eine Auswahl an Begriffen und möchte wissen: “In einer Beschreibung über dich selbst. Wie würdest du sie sortieren?”

Abenteurerin, Forscherin, Fotografin, Videografin, Autorin, Journalistin, Lehrerin

Sie lacht und sagt: “Ich nehme alles.” Beim genaueren Hinschauen erklärt sie: “Wenn ich etwas nach vorne stellen müsste, dann wahrscheinlich die Abenteurerin, denn das umfasst alles.” Ansonsten ergänzt sie noch die Fotojournalistin, Expeditionsleiterin und sogar Regisseurin.

Und ganz wichtig – Mutter ist Ulla auch noch. Ihr Sohn ist mit im Auto, als wir miteinander sprechen. Gerade sind sie auf dem Weg ins nächste Abenteuer, aber dazu später mehr.

“Don’t Dream it – Do it”

“Don’t Dream it – Do it” – das ist ihr Motto. Schon seit sie 15 Jahre alt ist, lebe sie danach. Denn zu dieser Zeit habe sich ihr Vater das Leben genommen. “Mir wurde klar, das Leben ist viel zu schön, um es wegzuwerfen, vor allem wenn man das macht, wovon man träumt”, erzählt sie mir. Ab diesem Moment sei ihr klar gewesen, “ich möchte es kompromisslos tun.” Ihr Vater war es auch, der die Leidenschaft für und das Interesse an den Vulkanen entfacht hat. “Mein Papa hat den Fehler gemacht, mich mit 8 Jahren mit zum Vesuv zu nehmen. Dort habe ich gesehen, wie dieser Vulkan die Stadt Pompeji zerstört hat. Seitdem wollte ich immer einen aktiven Vulkan sehen.” Sie habe alles gelesen, was sie finden konnte. Ulla sagt: “Seitdem wollte ich es machen und so weit wie möglich in das Innere der Erde vordringen.”

Ulla vor einem aktiven Vulkan

Ihr ganzes Leben begleitet sie dieser Traum. Treibt sie an. Motiviert sie. Viele Jahre hat sie alles auf die Erfüllung dieses einen Traums ausgelegt. Das Erreichen dieses einen Ziels. Während einer Weltreise sieht sie in Vanuatu den Vulkan Benbow. “Das war der Beginn von noch etwas viel Grösserem”, erzählt sie mir. “Ich wollte da rein, denn der Lavasee war zu weit weg - 600 Meter unter mir.” Sie habe also begonnen, die Sprache zu lernen, Umweltwissenschaften studiert und mit dem Klettern angefangen. Und dann hat sie es zusammen mit ihrem Mann geschafft: Als erste Menschen der Welt stehen sie im Jahr 2017 600m tief im Inneren des Vulkans.

Dieses “Näher dran sein wollen” – ich sehe darin Parallelen. Ist es nicht genau die Art, wie Kinder die Welt entdecken? Sie wollen die Dinge anfassen und spüren können. Ich frage sie also: “Ist es auch das Kind in dir, das so sehr in das Innere des Vulkans wollte?”

“Den Fragen nachgehen und die Welt erkunden und erforschen”

Ulla lacht wieder und sagt: “Ich muss immer alles anfassen können und muss immer möglichst nah dran sein, damit ich es mit dem ganzen Körper erfahren kann. Ich muss die Gase riechen, die Hitze spüren. Die Augen müssen vom Gas tränen. Ich muss am besten noch Asche in den Haaren haben.” Aber sie gibt zu, es habe sie auch gereizt, dass vorher noch keiner so weit unten war. “Diese Neugierde, Neuland auf dem Planeten zu betreten. Das treibt mich auch an.”

Das innere Kind in ihr ist laut. Und sie schenkt ihm Gehör und Aufmerksamkeit. Alle Leute hätten immer gesagt, sie solle nur abwarten, bis sie so oder so alt ist, bis das oder jenes passiert. “Bei mir hat sich da nichts geändert. Ich mache nach wie vor das, was mir Spass macht. Nämlich Fragen stellen. Den Fragen nachgehen und die Welt erkunden und erforschen”, sagt sie zu mir.

Ich möchte wissen, wie ihr perfekter Tag als Kind aussah. Denn das Abenteuer-Gen scheint ihr angeboren zu sein. Sie erzählt: “Wenn ich meine Freiheit hatte. Die Freiheit, das umzusetzen, was in meinem Kopf war.” Sie habe viel gelesen und die Geschichten der Bücher nachgespielt. “Ich habe dann irgendwelche Gartenliegen zu Zelten umgebaut, daneben Backsteine mit ein paar Hölzern und habe mir vorgestellt, ich sässe am Lagerfeuer und würde mit Winnetou dort zelten. Im Winter habe ich mir ein Kanu aus Schnee gebaut oder ein Iglu und habe davon geträumt, Polarforscherin zu sein.” Wenn ihr jemand gesagt habe “Das kannst du nicht” habe sie gesagt “Dann lerne ich es eben.”

Spannende Sidenote: Ullas Sohn heisst mit Vornamen Manuk. Benannt nach einem aktiven Vulkan. Ich erfahre im Laufe des Gesprächs, dass das auch Mitgrund gewesen sei, dass sie vor Jahren auf unsere Marke aufmerksam geworden ist. Er ist jetzt fast 8 Jahre alt und für sie “ein vollwertiger Teil ihres Expeditionsteams”, sagt sie mir. Bei diesem wilden Abenteuerleben frage ich, was Manuk von ihrer Arbeit hält? Sie gibt die Frage direkt an ihn weiter und es sprudelt nur so aus ihm heraus: “Also ich glaube, dass wir viel helfen werden. Wer weiss, ob die Vulkane nicht irgendwann fuchsteufelswild werden. Deswegen finde ich den Beruf schon wichtig. Die Vulkane sind auch für Abenteuer gemacht. Ich möchte sie auch mal erforschen. Wenn es keine gäbe, würde man nie fühlen, wie klein man eigentlich als Mensch ist, auf der riesigen Welt.”

Mir steigen Tränen in die Augen, als ich das höre. Was für eine wundervolle Sicht auf die Welt und die Abenteuer – von einem Kind. Danke Manuk! Ich frage im Anschluss darauf Ulla: Was denkst du? Bist du mehr Inspiration für deinen Sohn oder er für dich?

“Gemeinsam entdecken wir mit der kindlichen Neugier die ganze Welt”

“Manuk ist ein sehr cooler Expeditionspartner”, sagt sie mir. Er sei von klein auf schon dabei gewesen. “Er hat auch immer mitgeholfen. Egal ob er mit 1 ½ die Gasmasken gewaschen hat oder ob er als Kinderguide bei einer Vulkanreise dabei war.” Er inspiriere sie schon sehr. Ulla erzählt von einem Moment am Ätna. Er habe sich im Krater unten auf den Boden gelegt und so lange gewartet, bis sie sich zu ihm gelegt habe. “Und dann habe ich nach oben geschaut und er hat gesagt: ‘Siehst du, wir sind im Inneren vom Vulkan.’ Das hätte ich ohne ihn nicht gemacht.” Seine Sicht auf die Dinge sei ganz besonders. “Gemeinsam entdecken wir mit der kindlichen Neugier die ganze Welt.”

Manuk am Strand

Ich darf Manuk sogar direkt noch eine Frage stellen und versuche herauszufinden, wie viel Entdecker, Abenteurer und/oder Forscher in ihm steckt. “Am liebsten will ich mal mit Spezial-Taucherausrüstung zum Marianengraben. Und in die Arktis. In jede Region der Erde. Ich war schon fast auf der halben Welt. Ich guck mal, was ich daraus machen kann.” Ulla erzählt, dass noch diverse Experimente im Kühlschrank oder Gefrierfach Zuhause darauf warten würden, ausgewertet zu werden. “Ich hoffe natürlich, dass er vielleicht irgendwann in unsere Fussstapfen tritt”, sagt sie. Es warte noch so viel auf ihn. Er wolle auch unter Wasser die Welt entdecken. Sie erzählt von seinem ganz eigenen Projekt, das er ins Leben gerufen habe: “Kein Müll meer.” Er räume überall auf der Welt den Müll aus dem Wasser und dokumentiere es mit der Kamera.

Gerade am vergangenen Wochenende hätten sie einen Wachdienst am Starnberger See gemacht. Als Ulla mir davon erzählen will, ruft Manuk rein: “Du hast nur ein Praktikum gemacht.” Wir müssen lachen. Manuk sei bei der Wasserwacht und in nur 100 Metern hätten sie am Wochenende einen halben Müllsack voller Müll gesammelt. Ich frage, ob ich einen kleinen Einblick bekommen könnte, wie ein “normales” Familienleben mit zwei solchen “Abenteuereltern”, die viel reisen wollen, können und vielleicht auch müssen, aussieht?

Sie erzählt mir einfach vom aktuellen Plan. Gerade seien sie auf dem Weg in die Dolomiten zum Klettern. Im Anschluss nach Sizilien, wo sie ein Haus am Meer hätten. Wenn Schule ist, würden sie sich als Eltern abwechseln oder die Grosseltern könnten auch mal einspringen. “Im Winter werden wir eine Zeit bei seinem Stamm verbringen.” Manuk sei in Vanuatu in einen Stamm integriert und adoptiert. Dort gehe er dann auch zur Schule. Allerdings sei diese ganz eine andere Art von Schule. “Sie ist im Regenwald und die Kinder lernen, alleine dort zurechtzukommen."

“Ich hatte die schon in Höhlen, Vulkanen und beim Tauchen mit”

Zum Ende hin nutze ich die Chance Manuk auch noch direkt zu fragen, was er an namuk eigentlich konkret mag und an welche speziellen Orte er die Eule vielleicht schon gebracht hat. Er sagt mir: “namuk macht ja richtig gute Klamotten. Die habe ich eigentlich nach Sizilien, Vanuatu und Papua-Neuguinea mitgenommen. Die kriegen nur sehr schwer Löcher. Fast nie. Ich hatte die schon in Höhlen, Vulkanen und beim Tauchen mit.”

Die Mama ergänzt, dass sie auch die Nachhaltigkeit sehr schätze. “Und dass ihr nicht nur Kleidung macht, sondern auch eine Philosophie dahinter steckt. Dass ihr die Kinder animiert rauszugehen und es auch möglich macht”, sagt Ulla. Am längsten sei der Rucksack schon mit Manuk unterwegs. “Den hatte er schon im Kindergarten.”

Eine letzte Frage habe ich dann doch auch noch an Ulla: “Hast du ein weiteres grosses Traumprojekt, das dich aktuell antreibt?” Sie verrät: “Ich möchte unbedingt mal in die Antarktis, da gibt es nämlich einen Vulkan mit einem Lavasee mitten im ewigen Eis. Das möchte ich unbedingt mal sehen.”

Doch das ganz grosse Traumprojekt, das sie jeden Tag antreibt, sei ein anderes. “Es ist einfach, dass wir das Leben geniessen können und andere inspirieren dürfen, das auch so zu tun. Das ist glaube ich die Motivation.” Sie wolle Menschen zeigen, dass man seine Leidenschaft entdecken müsse. “Wenn man diese nicht hat, dann hat man nichts, was einen so richtig antreibt. Das finde ich schade. Diese Leidenschaft kann man nur entdecken, wenn man sich treiben lässt und die Freiheit hat, auch mal nichts zu tun. Wenn man sich selbst spüren kann. Wir sind nicht mal ein Staubkorn im grossen Ganzen und dürfen trotzdem da sein und unser Leben gestalten. Zeigen wir, wie kostbar das Leben ist.”

Komplett beseelt bin ich aus diesem Gespräch mit Ulla rausgegangen. So viel Inspiration von ihr, ihrem Sohn - der ganzen kleinen Familie. Danke für eure Antworten, eure Sicht auf die Welt.

Foto von Vulkanen mit Rauch

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